Warum kulturelle Intelligenz unterschätzt wird
📸 Dieses Foto ist 2024 auf unserer großen Asienreise in Saigon, Vietnam entstanden. Wir haben zum ersten Mal nach 1 Jahr virtuelle Zusammenarbeit unser Team besucht.
Ich arbeite mit meinem Kreativteam in Vietnam und mit verschiedenen Brands und Businesses in Deutschland und ich merke immer wieder, wie unterschiedlich wir Kommunikation, Verantwortung und Zusammenarbeit verstehen.
In Vietnam z.B. ist Arbeit oft familiärer (vielleicht liegt das an der Sprache, denn oft werde ich als chị Nhung - grosse Schwester genannt), Beziehungen sind langfristig gedacht und der Respekt zeigt sich subtil.
In Deutschland hingegen ist die Kommunikation direkter, Struktur ist klarer, Feedback ist expliziter - liebe und schätze ich sehr und darin seh ich mich auch wieder.
Beides hat Qualität. Beides hat blinde Flecken.
Was ich gelernt habe: International zu arbeiten bedeutet nicht nur, Zeitzonen zu managen, sondern auch und vor allem Denkweisen zu verstehen.
Wenn ich zwischen beiden Welten vermittle, merke ich jedes Mal, wie viel Potenzial entsteht, sobald Menschen sich wirklich zuhören.
Wie oft sitze ich mit meinem Team aus Vietnam in Calls und wir sprechen plötzlich nicht mehr nur über Projekte, Deadlines oder Designs, sondern über Filme, Musik oder gesellschaftliche Themen, die unsere Generation bewegen. Und jedes dieser Gespräche bringt mich meinen eigenen Wurzeln näher.
Ich lerne nicht nur mehr über die Business-Welt in Vietnam, sondern auch über Denkweisen, Werte und Zwischentöne, die in keinem Briefing stehen.
Und genau in diesen Momenten wird mir klar, wie viel Verständnis entstehen kann, wenn wir aufhören, nur effizient zu kommunizieren, und anfangen, wirklich zuzuhören. Verständnis für unterschiedliche Prägungen, unterschiedliche Arten zu arbeiten, zu führen und zu träumen.
Deshalb sehe ich meine Arbeit nicht nur als klassische Agenturarbeit. Ich sehe sie als Brückenarbeit. Und ich bin davon überzeugt , dass genau darin die Zukunft liegt.

