notes on building a diaspora brand - ep. 01
Notes on Building a Diaspora Brand #01
- ein Name, den ich seit Jahren mit mir trage
Dieser Blogpost gilt einem inneren Ruf, den ich schon seit Jahren mit mir trage und ich wusste lange nicht genau, was genau daraus werden soll..ein Projekt, ein neues Unternehmen, eine Sammlung von Notizen, ein Ort für all die Gedanken, die mich als Tochter vietnamesischer Einwanderer lange begleiten.
Und so langsam arbeite ich jetzt daran, daraus eine Diaspora Brand zu entwickeln.
Eine Brand, die sich mit vietnamesischer Herkunft, Kindheit, Erinnerung und dem Gefühl beschäftigt, zwischen Kulturen aufzuwachsen: Nicht ganz hier, nicht ganz dort oder vielleicht genau deshalb mit einer eigenen Perspektive auf beides.
Ich denke gerade viel über Produkte nach, die nicht einfach nur schön sein sollen, sondern etwas in einem berühren. Produkte, die ein Stück Zuhause und Kindheitserinnerungen tragen können.
Kennt ihr diese vietnamesischen Abreißkalender, die viele vielleicht noch aus der Kindheit oder aus dem Elternhaus kennen? Auf den Kalendern steht nicht nur das Datum drauf, sondern auch Hinweise zum Mondkalender, zu Feiertagen, günstigen oder ungünstigen Tagen und dem Tierkreiszeichen des Jahres.
Ich denke bspw. auch an Räucherstäbchen. An diesen Duft, der sofort einen Raum verändert. Für mich ist es Erinnerung an Familie, Altäre, Feiertage, Besuche und Respekt. An Momente, die ich als Kind gespürt habe, lange bevor ich sie wirklich erklären konnte.
Ich denke an vietnamesischen Kaffee. An diese Schwere, diese Süße, dieses langsame Tropfen aus dem Phin-Filter. An Gespräche, an Erwachsene, an Nachmittage, an das Gefühl, dass Kaffee nicht nur ein Getränk ist, sondern ein kleines Ritual und als Ort des Zusammenkommens in der Nachbarschaft.
Und genau darum geht es mir gerade:
Wie kann man Produkte schaffen, die nicht nur dekorative Objekte sind, sondern Träger von Geschichten?
Wie kann ein Kalender erklären, woher bestimmte Rituale kommen?
Wie kann ein Duft erinnern, ohne kitschig zu werden?
Wie kann Kaffee ein Zugang zu Kultur, Familie und Alltag sein?
Gestern hatte ich einen Call mit meinem Team in Vietnam und wir haben gemeinsam über die Vision, Botschaft und Positionierung gesprochen. Ich saß an meinem Schreibtisch in Frankfurt, mit meinem Blick aus der Diaspora (=bezeichnet die Lebensweise religiöser, ethnischer oder nationaler Gruppen, die ihre Heimat verlassen haben und als Minderheiten in fremden Ländern leben). Auf der anderen Seite saßen Menschen in Vietnam, die auf viele Dinge mit einer Selbstverständlichkeit schauen, die ich nicht habe, denn für sie ist vieles Alltag und für mich ist manches Erinnerung, Sehnsucht oder die Suche nach einer Erklärung.
Vielleicht liegt genau dort die eigentliche Spannung dieser Brand..
Wie baut man etwas, das kulturell verwurzelt ist, ohne im Klischee zu landen?
Wie schafft man eine moderne Lifestyle Brand, die trotzdem ein Stück Zuhause trägt?
Und wie übersetzt man ein Gefühl, das viele kennen, aber nicht immer aussprechen können?
Momentan ist noch vieles in der Entstehung..Und für mich ist das gerade kein reines Business-Projekt. Es geht um Identität, Familie, Herkunft, Sprache – und um die Tiefe in den kleinen Dingen, mit denen wir aufgewachsen sind.

