Gedanken zum Internationalen Frauentag

Vielleicht beginnt Veränderung in den Gesprächen zwischen Frauen

Der Internationale Frauentag bringt jedes Jahr ähnliche Fragen zurück: Was muss sich eigentlich konkret verändern, damit mehr Frauen Verantwortung übernehmen können?

In vielen Diskussionen, die ich gerade beobachte geht es dabei um große Themen. Um Politik, Wirtschaft und Quoten. Und natürlich sind diese Fragen wichtig. Aber ich merke immer wieder, dass mir in diesen Gesprächen etwas fehlt: die kleinen Räume dazwischen.

Räume, in denen Frauen einfach zusammenkommen können. Ohne Panel, ohne Bühne, ohne Agenda. Räume für Gespräche, für Fragen, für ehrlichen Austausch.

Gerade unter selbstständigen Frauen spüre ich, wie wichtig solche Räume sind. Denn Selbstständigkeit wird oft mit Freiheit verbunden. Und ja, diese Freiheit gibt es. Aber sie bringt auch viele Fragen mit sich. Entscheidungen, die man täglich treffen muss. Unsicherheiten, die man mit sich selbst ausmacht. Verantwortung für Einkommen, Projekte, Menschen und die eigene Zukunft.

Und wenn man Mama ist, kommen noch weitere Ebenen dazu 🤯

Care-Arbeit. Mental Load. Die ständige Koordination zwischen Familie, Arbeit und dem eigenen Anspruch an sich selbst. Zwischen Terminen, Kinderarzt, Projekten, Schlafmangel und dem Wunsch, sowohl präsent als Mama als auch in der eigenen Arbeit zu sein.

Ich schreibe das auch aus einer privilegierten Perspektive. Im letzten Jahr konnte ich mich beruflich bewusst ein Stück zurückziehen, um präsent für mein Baby zu sein. Goy und ich teilen uns die Care-Arbeit und ich bekomme viel Unterstützung von Familie und Freunden. Das ermöglicht mir, gerade nicht alles gleichzeitig leisten zu müssen.

Und trotzdem merke ich auch: mir fehlt meine Arbeit.

Im Moment kümmere ich mich vor allem um das Nötigste – Buchhaltung, Steuern, Mailverkehr. Vieles andere pausiert noch. Diese Phase hat mir gezeigt, wie schnell unsere Gesellschaft dazu neigt, Frauen vor eine scheinbar einfache Entscheidung zu stellen: entweder Karriere oder Familie.

Aber meine Erfahrung ist eine andere. Es ist selten ein klares Entweder-oder. Viel öfter ist es ein Gleichzeitig – nur im eigenen Rhythmus und in einem anderen Tempo als zuvor.

Vielleicht geht es deshalb am Ende gar nicht nur um große Programme oder Kampagnen. Veränderung entsteht auch dort, wo Frauen einander zuhören, Erfahrungen teilen und sich gegenseitig Mut machen.

In Gesprächen zwischen meinen Mädels und anderen Frauen merke ich, dass ich mit meinen Fragen nicht alleine bin und dass mein Weg anders aussehen darf als von der Norm vorgeschrieben. Ich bin überzeugt davon, dass echte Veränderung sich durch Entscheidungen entsteht: wen wir einstellen, wen wir fördern und wem wir Raum geben.

Am Ende geht es nicht darum, Frauen in bestehende Systeme hineinzupressen, sondern darum, Systeme so zu gestalten, dass mehr Menschen darin wachsen können.


Weiter
Weiter

Was Marken von Kultur lernen können